Alles ist ein Wunder!

Der 16. März 2020 war für mich kein Tag wie jeder andere.

Wir - die Menschen in Deutschland - befanden uns auf dem Weg zu außergewöhnlichen Massnahmen aufgrund der Corona-Krise.

in einer Woche würden Cafés, Restaurants, Kinos, Fitness- und Yoga-Studios, Eisdielen, Buchläden und Boutiquen geschlossen werden.

Öffentliche Veranstaltungen würden komplett abgesagt.

Einzelne Länder würden eine Ausgangssperre verhängen.

Home-Office und Kurzarbeit würden umgesetzt.

Leben war dabei, sich nachhaltig zu verändern.

Für mich hatte es sich bereits verändert, an diesem 16. März.

ich war aus Portugal zurückgekehrt, wo ich ein paar Tage mit diversen Ängsten verbracht hatte. Vorher hatten mein Mann und ich nach einer dicken Ehekrise beschlossen, uns zu trennen. Angesichts Corona ruderten wir wieder zurück - erst mal zusammenhalten, dann weitersehen, war unsere Entscheidung. Unsicherheit erzeugt Stress. Viel Unsicherheit erzeugt viel Stress. Das konnten wir gerade jetzt nicht brauchen.

Sehr klar war mir, daß diese Zeiten Opfer fordern würden, und zwar von jedem. Meine Kurse konnten nicht mehr weiter laufen wie bisher, die Teilnehmer/innen waren angespannt, machten sich Sorgen. So wie alle Menschen auf dieser Welt.

Also fragte ich mich: "Was kann ich dazu beitragen, damit es meinen Kursteilnehmer/innen, Kolleginnen und Kollegen, Freunden, Bekannten etwas besser geht?"

Und ich hatte eine Antwort: MINDFUL MORNING.

Seit dem 16. März biete ich jeden Morgen um 8 Uhr eine Morgenmeditation an, virtuell, auf Zoom.us.

Diese läuft inzwischen seit einer Woche, und jeden Tag bereitet es mir riesige Freude, mich mit Menschen zu verbinden und gemeinsam zu meditieren.

Das war noch nicht alles an jenem Tag.

Am Nachmittag lud meine Tochter mich zu einer kleinen Spritztour im neuen Auto ein. Wir fuhren ein Stück Richtung Feldberg, dann wollten wir wieder zurück. Nach der ersten größeren Kurve blieb mein Herz stehen: ein Auto raste auf unserer Fahrspur direkt auf uns zu.

Der Fahrer war dabei, drei Fahrzeuge zu überholen und hatte offenbar nicht mit uns gerechnet...

Ich dachte nur: "Das war's!"

Jetzt. Aus. Vorbei.

Meine Worte: "Oh Gott!" rissen meine Tochter, die am Steuer saß, aus ihrer Erstarrung. Sie ging auf die Bremse, und das Auto scherte ganz knapp an uns vorbei auf die andere Spur.

Wie kann ich das beschreiben? Auf den Schrecken folgte Wut, dann Erleichterung, Dankbarkeit. Mal eben ein neues Leben beginnen.

Und realisieren, wie schnell alles gehen kann. In einem Moment noch mitten im Leben, im nächsten Moment eine Erinnerung.

Am Nachmittag las ich (ebenfalls per Zoom) für Kinder aus dem Buch "Ronja Räubertochter" von Astrid Lindgren.

Im Buch entdeckt Ronja "ihren" Wald, dessen Schönheit, aber auch die Gefahren. Und sie muß lernen, sich nicht zu fürchten, denn die bösen Waldwesen, die Graugnomen und Wilddruden, können Angst riechen.

Während ich las, wurde ich ein bisschen wie Ronja, neugierig, offen, mit viel Anfängergeist, und mutig.

Leben ist wunderschön, und es ist gefährlich. In diesem Moment fühlen wir uns ganz sicher, und im nächsten vielleicht ganz unsicher.

Beides darf sein, denn das macht Leben aus. Ob wir uns mit Corona auseinander setzen oder Graugnomen - Gefahr gehört zum Leben dazu.

Oft vergessen wir dies, wenn wir uns in Sicherheit wähnen, die in Wirklichkeit eine Art Kontrolle ist. Doch wir können Leben nicht kontrollieren. Wir können uns nur darauf einlassen, auf das Auf und Ab, die Schönheit und das Gefährliche.

Und wenn wir spüren, wie die Angst in uns aufsteigt, können wir uns darauf besinnen, daß es tief in uns selbst eine Ruhe gibt und einen tiefen Frieden, mit denen wir jederzeit Kontakt aufnehmen können.

Wir können dies in der Meditation üben und Tag für Tag im Alltag praktizieren, von Moment zu Moment. Dann wird jeder Tag ein besonderer Tag, und jeder Moment ein Wunder.

"Es gibt nur zwei Arten zu leben. Entweder so als wäre nichts ein Wunder oder so als wäre alles ein Wunder." Albert Einstein

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