Mit-Gefühl


Man muss nicht nach Indien fliegen, um Not zu sehen. Die vierzehnjährige Mutter mit ihrem Baby in einem der Dörfer, die zahnlose alte Frau, die bei Tag und Nacht in ihrem Strassenloch sitzt, den dürren Hund, der sich an fahrenden Autos vorbei auf die andere Strassenseite rettet.

Die sich aufdrängende Frage lautet, wie gehe ich damit um, welche Einstellung wähle ich, um mit der Not umzugehen? Sie verdrängen oder nicht hinzusehen würde bedeuten, das Elend und die Schicksale, die davon betroffen sind, zu leugnen. Mitleiden zermürbt mich selbst, und es bringt weder mich, noch den anderen weiter, da es zur Folge hat, dass ich nicht mehr hinsehe, um mich mit dem Leid der anderen nicht zu belasten.

Mitgefühl entwickeln ist eine Möglichkeit, mich vom Schicksal des anderen berühren zu lassen, mitzuschwingen, und gleichzeitig Distanz zu wahren. Achtsam mitfühlen ist eine Kunst, deren Praxis man nicht ad hoc beherrscht, sondern üben muss.

Wir können uns darin üben, indem wir beginnen, uns selbst mitfühlend zu begegnen, uns nicht verurteilen, wenn uns Fehler unterlaufen, sondern uns achtsam und freundlich begleiten.

Das ist der Anfang des Weges.

Om tare.

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© 2019 Nicole Zijnen

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