Von Kühen und Tempeln


Gelassenheit.

Wenn eine Kuh gemütlichen Schrittes über die Straße trottet und mittendrin einfach stehen bleibt - Gelassenheit.

Wenn das Auto, in dem du sitzt, hupend von einem Taxi geschnitten wird - Gelassenheit.

Wenn du denkst, der Bus sei voll, aber es steigen noch zwei Passagiere ein, und noch drei, und noch vier - Gelassenheit.

Gelassenheit gegenüber unwichtigen und wichtigen Dingen, man lernt sie schnell in Indien, und man lernt auch, seine Erwartungen zu überprüfen. Die Uhren laufen langsamer, Termine finden nicht unbedingt statt, die Nächte sind nicht ruhig, sondern erfüllt von Hundegebell, dem Summen von Moskitos, hier und da einem Hupen und vor allem Musik, Trommeln und Gesängen, die von irgendwoher ans halbschlummernde Ohr dringen.

Wenn wir prächtig geschmückte, farbenfrohe Tempel besuchen, finden sich auf den Stufen Bettler und Saddhus, die nur das Nötigste mit sich führen.

Verlassen wir satt und zufrieden das Restaurant, wo wir uns mit köstlichen Speisen verwöhnt haben, fällt der Blick auf einen zahnlosen, dürren Greis, der im Strassenstaub sitzt.

Die Kinder strömen aus ihren einfachen, armen Hütten und strahlen uns mit blitzenden, weißen Zähnen an, wenn wir sie fotografieren.

Überall Gegensätze, und immer wieder Gelassenheit, auf der einen wie auf der anderen Seite.

Eine Einstellung, um mit dem Elend, den Widersprüchen, dem Leben umzugehen.

Dies und Dankbarkeit für den Moment, das Lächeln, den freundlichen Blick, die geschenkte Kokosnuss oder die zwanzig Rupien, die von einer Hand in die andere wechseln.

Om Shanti.

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© 2019 Nicole Zijnen

Fotos: Nicole Zijnen, Volker Laengenfelder